Steuer-Glossar
Grenzsteuersatz
Der Grenzsteuersatz gibt an, wie viel Steuer auf den nächsten zusätzlich verdienten — oder abgezogenen — Franken anfällt; er ist wegen der Progression immer höher als der Durchschnittssteuersatz.

In der Schweiz sind die Einkommenssteuertarife progressiv aufgebaut: Je höher das steuerbare Einkommen, desto höher der Steuersatz auf den obersten Einkommensteilen. Der Grenzsteuersatz beschreibt genau diesen Satz auf dem letzten Franken. Er beantwortet die Frage: Wie viel Steuer zahle ich zusätzlich, wenn mein Einkommen um CHF 1'000 steigt — und wie viel spare ich, wenn es um CHF 1'000 sinkt?
Der Durchschnittssteuersatz ist dagegen die gesamte Steuer geteilt durch das steuerbare Einkommen. Er ist für die Frage «Wie hoch ist meine Belastung insgesamt?» nützlich, für Entscheidungen jedoch irreführend. Eine Person mit einem Durchschnittssatz von 15 Prozent kann gleichzeitig einen Grenzsteuersatz von 30 Prozent haben.
In Winterthur setzt sich der Grenzsteuersatz aus drei Teilen zusammen: der Staats- und Gemeindesteuer (einfache Staatssteuer mal Steuerfüsse von Kanton, Stadt und allenfalls Kirche) sowie der direkten Bundessteuer. Für mittlere Einkommen liegt er typischerweise zwischen 20 und 30 Prozent, bei hohen Einkommen deutlich darüber. Die Bundessteuer allein erreicht auf sehr hohen Einkommen einen Satz von 11,5 Prozent.
Wofür Sie den Grenzsteuersatz brauchen
Jede Steuerentscheidung, bei der es um zusätzliches Einkommen oder zusätzliche Abzüge geht, sollte mit dem Grenzsteuersatz gerechnet werden.
- Wert einer Einzahlung in die Säule 3a oder eines Pensionskasseneinkaufs
- Lohnt sich eine Pensumerhöhung — was bleibt netto vom Mehrverdienst?
- Wirkung eines Bonus oder einer einmaligen Zahlung
- Vergleich von Abzügen: effektive Berufskosten statt Pauschale
- Planung von Liegenschaftsunterhalt über mehrere Jahre
Kanton und Bund wirken unterschiedlich
Der Zürcher Tarif steigt in Stufen relativ gleichmässig an. Der Bundestarif ist dagegen bei tiefen Einkommen sehr mild und steigt in mittleren bis höheren Einkommen steil an. Deshalb kann der Grenzsteuersatz beim Bund in bestimmten Einkommensbereichen sogar höher sein als der Endsatz von 11,5 Prozent, bevor er auf diesen abflacht.
Hinzu kommt, dass Ehepaare und Alleinerziehende nach einem anderen Tarif besteuert werden als Alleinstehende. Derselbe Abzug hat für eine Familie und eine Einzelperson mit gleichem Einkommen deshalb einen unterschiedlichen Wert.
- Alleinstehende: Grundtarif
- Ehepaare und Alleinerziehende im Kanton Zürich: Verheiratetentarif
- Bund: Verheiratetentarif, für Eltern zusätzlich Abzug vom Steuerbetrag pro Kind
Grenzen des Konzepts
Der Grenzsteuersatz gilt nur für kleinere Änderungen. Bei grossen Abzügen — etwa einem Pensionskasseneinkauf von CHF 100'000 — sinkt das Einkommen durch mehrere Tarifstufen, und der durchschnittliche Spareffekt ist tiefer als der Grenzsteuersatz zu Beginn. Deshalb lohnt es sich, grosse Abzüge über mehrere Jahre zu verteilen. Zudem beeinflusst das steuerbare Einkommen weitere Grössen wie Prämienverbilligung oder Kita-Tarife, die der Grenzsteuersatz nicht abbildet.
Beispiel: Säule 3a und Lohnerhöhung
Eine alleinstehende Lehrerin in Winterthur mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 85'000 zahlt insgesamt rund 15 Prozent Steuern auf ihr Einkommen — das ist ihr Durchschnittssatz. Ihr Grenzsteuersatz liegt aber bei rund 25 Prozent.
Zahlt sie CHF 7'258 in die Säule 3a ein, spart sie deshalb nicht 15 Prozent davon (rund CHF 1'090), sondern etwa 25 Prozent, also rund CHF 1'815. Wer mit dem Durchschnittssatz rechnet, unterschätzt den Nutzen der Einzahlung um fast die Hälfte. Umgekehrt gilt für eine Lohnerhöhung von CHF 5'000: Davon gehen rund CHF 1'250 an Steuern — nicht CHF 750.
Häufige Fragen zu Grenzsteuersatz
Wie finde ich meinen Grenzsteuersatz heraus?
Am einfachsten mit dem Steuerrechner des Kantons Zürich: Berechnen Sie die Steuer für Ihr Einkommen und dann für CHF 1'000 mehr. Die Differenz, geteilt durch 1'000, ist Ihr Grenzsteuersatz. Wir rechnen das bei jeder Steuererklärung für Sie mit.
Kann eine Lohnerhöhung dazu führen, dass ich netto weniger habe?
Durch die Steuer allein nicht — der Grenzsteuersatz liegt immer deutlich unter 100 Prozent. Es kann aber vorkommen, dass einkommensabhängige Leistungen wie Prämienverbilligung oder vergünstigte Kita-Tarife wegfallen und so der Effekt spürbar kleiner wird.
Warum ist der Grenzsteuersatz in Winterthur höher als in Nachbargemeinden?
Weil der Gemeindesteuerfuss der Stadt Winterthur höher ist als in vielen umliegenden Gemeinden. Der kantonale Tarif ist überall gleich, der Multiplikator unterscheidet sich.
Verwandte Begriffe
Fragen zum Begriff?
Wir erledigen die Steuererklärung — inklusive der schwierigen Stellen.
Sie müssen die Fachbegriffe nicht beherrschen. Senden Sie uns Ihre Unterlagen; wir prüfen jeden Abzug und reichen elektronisch ein.